Zu einer intensiven und ausgiebigen Diskussion hat der Vor-trag „ Die Rolle der Frau im Islam“ geführt, zu dem die Frauen Union Limburg-Weilburg mit ihrer Vorsitzenden Christine Zips eingeladen hatte.
Dr. Alewtina Schuckmann, promovierte Ethnologin und Religi-onswissenschaftlerin aus Frankfurt/Main, Gründungsmitglied des „Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam“ (FFGI), Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt, betrachtete in ihrem Vortrag zunächst ein Bild zur Geschichte der Frau in arabischen Ländern und wie sich die Stellung der Frau durch den Koran geändert hat. Erlaubt der Koran den Männern, über ihre Ehefrau zu bestimmen? Ist das Kopftuch ein Zeichen der Unterdrückung? Wie gleichberechtigt leben Frauen in musli-mischen Ländern? Die Rolle der Frau im Islam ist ein kontro-vers diskutiertes Thema, sagt Alewtina Schuckmann zu Be-ginn des Vortrages – und das nicht nur in Deutschland.
Um die Rolle der Frau im Islam zu verstehen, muss man den Koran verstehen, sagt Schuckmann.
Islamisches Grundprinzip ist, dass Mann und Frau vor Gott gleichwertig sind. Aus der Gleichwertigkeit von Mann und Frau folgt jedoch keineswegs die rechtliche Gleichstellung. Der Is-lam schreibt den Geschlechtern aufgrund ihrer verschiedenen körperlichen Eigenschaften unterschiedliche Talente und dementsprechend Aufgaben zu, woraus sich wiederum Rech-te und Pflichten ableiten.
Im Islam gibt es eine klassische Rollenverteilung. Männlichkeit drückt sich aus durch Stärke, Macht und Ratio, Weiblichkeit durch Weichheit, Fruchtbarkeit und Emotion. Sinn der Gegen-seitigkeit von Mann und Frau ist die Ergänzung, sagt die Refe-rentin. Der Mann erfülle das Ernährerprinzip, Öffentlichkeit sei im Islam ein männlicher Raum. Von der Frau werde Gehor-samkeit erwartet, die ihre Rolle als Hausfrau und Mutter im pri-vaten Raum zu erfüllen habe. Sie solle den privaten Raum nicht verlassen. Schuckmann stellte fest, während in der offi-ziellen Lehrmeinung der katholischen Kirche Sex nur erlaubt sei für die Fortpflanzung, stünde der Islam der Sexualität offe-ner gegenüber. Allerdings dürfe der Geschlechtsakt nicht vor und nur in der Ehe vollzogen werden. Ein Muslim dürfe bis zu vier Frauen heiraten, eine Muslimin nur einen Ehemann.
Das eine islamische Frau ihren Körper verhülle und ihren Kopf verschleiere bis hin zur Burka, die der Frau nur noch ei-nen sehr eingegrenzten Blick ermöglicht, solle verhindern, dass sie unsittlich angeschaut werden könne.

Weitere kontroverse Koranstellen besagten, dass der Mann über der Frau stehe. Schuckmann zitiert: „Wenn ihr fürchtet, dass die Frau sich auflehnt, dann meidet sie im Ehebett und schlagt sie“. Unter den Besuchern sorgt das Zitat für Empö-rung. Eine Zuhörerin möchte wissen, wie viel ‚Einfluss Femi-nistinnen auf dieses „Horrorszenario“ haben. Die Antwort der Referentin fiel ernüchternd aus: „Ein Diskurs findet lediglich unter den Intellektuellen statt“. Jedoch gibt Schuckmann zu bedenken, dass es beispielsweise in Deutschland ebenfalls noch nicht lange her sei, dass die Frauen emanzipiert seien. „Denken Sie an die 50er- und 60er-Jahre, als die Frauen ihre Ehemänner um Erlaubnis tragen mussten, wenn sie arbeiten wollten“.
Schuckmann gibt auf viele Aspekte der Rolle der Frau im Islam ein. Ein einheitliches Bild könne nicht gezeichnet werden. Die Rolle der Frau im Islam sei mittlerweile recht differenziert. Im Islam spiele das öffentliche Ansehen einer Familie eine un-gemein große Rolle. Das erkläre die Ehrenmorde, die sich auch in Deutschland ereigneten. Verdeutlicht wurde auch, dass selbst Frauen in zweiter und dritter Migrantengeneration nicht oder kaum die deutsche Sprache beherrschten.
Die überwiegend weiblichen Besucher bedauerten die Paral-lelwelten, die z.B. ein Teil der türkischen oder türkischstämmi-gen Mitbürger führten. Insbesondere junge Frauen befänden sich in einem Zwiespalt zwischen dem traditionellen Leben in der eigenen Familie und einem westlich geprägten Leben im öffentlichen Raum.
Die vielen Wortbeiträge dokumentierten Beispiele aus dem All-tag über die Schwierigkeit der Integration von Mitbürgern aus vorwiegend islamisch geprägten Gesellschaften.Auf die Fest-stellung der FU-Vorsitzenden Christine Zips, die hier lebenden Ausländer müssten sich „wenigstens an einen Mindeststan-dard des Lebens westlicher Prägung anpassen“, erhielt sie kräftigen Applaus.
Die Diskussion führte die Ängste der Besucherinnen vor Au-gen, ob die Integration von bestimmten Migranten gelingt. Und wie immer öfte4r zu beobachten sei, das insbesondere Men-schen islamischen Glaubens versuchten, sich von Deutschen abzugrenzen. Schuckmann sprach von einer „Opferrolle“ die die Betroffenen einnähmen und dies bewirke diese Konse-quenzen. Die völlig andere Religion spiele da eine Rolle, je-doch auch unterschiedliche Traditionen und Lebensweisen.
Es herrschte eine allgemeine Hilflosigkeit, wie man die Her-ausforderungen der Zukunft zufriedenstellend lösen wolle. Denn zur Integration gehöre auch der Wille, sich integrieren zu wollen. Dies, da waren sich zahlreiche Besucherinnen ei-nig, sei nur bedingt der Fall.
Die Referentin und viele Besucher forderten mehr Aufklärung, auch über geschichtliche Zusammenhänge, um die unter-schiedlichen Bevölkerungsgruppen näher zueinander zu bringen.

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