FU: Meilenstein für Gleichberechtigung, Mahnung für stärkere Beteiligung von Frauen an Macht und Verantwortung

Als Meilenstein für die Gleichberechtigung hat die Frauen Union (FU) Hessen die Einführung des Frauenwahlrechts vor 90 Jahren am 12. November 1918 bezeichnet. Der runde Geburtstag ist für die CDU-Frauen aber nicht nur Grund zum Feiern, sondern auch Anlass, eine noch stärkere Beteiligung der Frauen an der politischen Verantwortung zu fordern. Die Verleihung des aktiven und passiven Wahlrechts war Grundlage und Initialzündung für die Mitwirkung von Frauen in der Politik. Seitdem sind deutliche Fortschritte gemacht worden, die in der ersten Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Höhepunkt finden. Frauen stellen gut die Hälfte der Wahlberechtigten, machen von ihrem Wahlrecht regelmäßiger Gebrauch als Männer. Doch in politischen Ämtern und Mandaten sind sie noch immer unterrepräsentiert. Frauen müssen angemessen an Verantwortung und Macht beteiligt werden, erklärte Landesvorsitzende Petra Müller-Klepper heute in Wiesbaden.

Hier Verbesserungen zu erzielen, dürfe nicht ausschließlich auf die Frauenorganisationen delegiert werden. ?Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Politik zu verwirklichen, ist ein Spielfeld, wo Frauen und Männer gemeinsam antreten müssen. Partnerschaftliches Teilen von Verantwortung, Macht und Einfluss funktioniert nur, wenn beide Seiten mitmachen, betonte die Landtagsabgeordnete. Dieser Aufgabe müsse sich auf allen politischen Ebenen mit höherer Priorität gewidmet werden. Ziel sei eine Politik, die alle Teile der Bevölkerung angemessen einbinde.

Wir haben großen Respekt vor den Frauen, die nicht nur das Frauenwahlrecht durchgesetzt, sondern darüber hinaus aktiv Politik gestaltet haben. Es war ein weiter Weg von dem Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, der Zentrumspolitikerin Helene Weber, bis zu Angela Merkel, so Petra Müller-Klepper. Helene Weber, die erste Vorsitzende der Frauen Union, setzte sich schon im Kaiserreich als Vorsitzende des Berufsverbandes der katholischen Fürsorgerinnen für Frauen ein. 1919 wurde sie für die Zentrumspartei Mitglied der Weimarer Nationalversammlung. Später hat Helene Weber als eine von vier Frauen im Parlamentarischen Rat am Grundgesetz mitgewirkt und sich am Aufbau der CDU beteiligt.

Hintergrund:

In Deutschland erhielten die Frauen per Dekret das Wahlrecht im Zuge der Novemberrevolution durch den Aufruf des Rates der Volksbeauftragten an das deutsche Volk vom 12. November 1918: Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystem für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen. Auch für die Konstituierende Versammlung, über die nähere Bestimmung noch erfolgen wird, gilt dieses Wahlrecht.

Dies wurde kurze Zeit darauf in Paragraph 2 der Verordnung über die Wahlen zur Verfassung gebenden deutschen Nationalversammlung (Reichswahlgesetz) vom 30. November 1918 umgesetzt: Wahlberechtigt sind alle deutschen Männer und Frauen, die am Wahltag das 20. Lebensjahr vollendet haben. Am 19. Januar 1919 fand dann mit der Wahl der Deutschen Nationalversammlung die erste reichsweite deutsche Wahl statt, bei der Frauen das aktive und passive Wahlrecht besaßen.

1908 war mit dem Inkrafttreten des Reichsvereinsgesetzes die Voraussetzung geschaffen worden, dass Frauen sich in politischen Parteien und Vereinen engagieren konnten.

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