Der Kreisvorstand der Frauen Union (FU) Limburg-Weilburg hat sich jetzt in der Limburger Arbeitsagentur über die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt für Pflegeberufe informiert. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie es gelingen kann, den Kollaps in den Pflegeberufen zu verhindern.

Die FU-Kreisvorsitzende Christine Zips gab zu bedenken, dass es auch Aufgabe der Kommunalpolitik sei, positive Rahmenbedingen für die berufliche Situation der Pflegenden zu schaffen, um mehr Menschen den Weg in dieses Berufsfeld zu ebnen: „Die Pflege ist als Kernthema in der Politik angekommen, denn Pflegefachkräfte wachsen nicht auf den Bäumen.

Es waren alarmierende Zahlen, die Agentursprecher Ralf Fischer den Kommunalpolitikerinnen vorstellte. Den im vergangenen Jahr in Hessen gemeldeten 784 offenen Arbeitsstellen für examinierte Altenpfleger standen nur 223 Arbeitslose gegenüber, von denen eine erhebliche Anzahl durch gesundheitliche oder andere Einschränkungen kaum für eine Besetzung der vakanten Stellen in Frage gekommen seien. In Limburg-Weilburg waren im gesamten Jahr nur fünf Pflegefachkräfte arbeitslos, aber 31 Stellen zu besetzen. Ein weiteres Indiz für den Pflegenotstand sei auch die Laufzeit offener Stellen. Während es für Fachkräfte allgemein im Kreisgebiet 96 Tage dauere, bis eine offene Stelle abgemeldet werde, dauere es bei den Altenpflegefachkräften im Durchschnitt 143 Tage. Weil in Zukunft nicht nur immer mehr Menschen altersbedingt pflegebedürftig werden, sondern gleichzeitig auch viele Altenpfleger das Rentenalter erreiche, beziffert Fischer den zukünftigen Fachkräftebedarf in der Altenpflege bis 2035 im Kreisgebiet auf rund 630 zusätzliche Altenpfleger. Bundesweit ergäbe sich im gleichen Zeitraum ein Bedarf von weit über einer halben Million Pflegefachkräften. Bereits heute werde bundesweit jede vierte Pflegekraft im Rahmen einer staatlich geförderten Weiterbildung ausgebildet. Auch die Arbeitsagentur und das Jobcenter hätten dazu beigetragen, dass derzeit vierzig Altenpflegeschüler aus dem Landkreis mit finanzieller Unterstützung ihre Ausbildung absolvieren.

Großes Lohngefälle zwischen Kranken- und Altenpflegern

Der Agenturmitarbeiter ging auch auf die Gründe für den Pflegenotstand ein. So sei das Lohngefälle zwischen Kranken- und Altenpflegern nach wie vor immens. Während examinierte Vollzeitkräfte in der Krankenpflege 2016 durchschnittlich 3.239 Euro verdienten, lag das Durchschnittseinkommen bei den Altenpflegefachkräften 600 Euro niedriger. Zudem sei das Berufsbild nach wie vor mit einem negativen Image behaftet. Letztlich gäbe es für Krankenpflegefachkräfte deutlich mehr Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, als für ihre Kollegen in der Altenpflege. Dennoch sieht Fischer gute Chancen, den Pflegenotstand mittel- und langfristig abzumildern. Weil fast sechzig Prozent der über 560.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Pflegefachkräfte in Teilzeit arbeiten, könnten durch kluge Arbeitszeitmodelle Anreize geschaffen werden, um Teilzeitkräften eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit zu ermöglichen. Der Vorteil sei, dass dies keinerlei zusätzlicher Qualifizierung bedürfe und bereits kurzfristig hohe Wirkung erziele. Auch verbesserte Karrierechancen, die Einführung akademischer Pflegeausbildungen, schlankere Pflegedokumentationen, altersgerechte Assistenzsysteme und eine Verschiebung des Pflegeeintrittsalters durch bessere Gesundheitsvorsorge könne nach Angaben des Agentursprechers zu einer Entlastung des Pflegearbeitsmarktes führen. Außerdem gelte es, mehr Männer für die Pflege zu gewinnen, denn der Männeranteil läge bei nur 15 Prozent. Die konsequente Weiterqualifizierung von Pflegehelfern und die gezielte Anwerbung von Pflegefachkräften aus Asien könne zusätzliche Pflegekapazitäten ausbauen (der Ausländeranteil liegt derzeit bei nur acht Prozent). Kritisch sieht Fischer die ab 2020 geplante einheitliche Pflegeausbildung von Kranken- und Altenpflegern. Bei dem derzeitigen Lohnabstand sieht er die Gefahr, dass sich Pflegeschüler, die sich beim Ausbildungseinstieg eigentlich für die Altenpflege entschieden hätten, aufgrund der besseren Entlohnung und Karrierechancen während der Qualifizierung umorientieren.

Pflegende Angehörige und die zu Pflegenden nicht vergessen

Es ist eine große Aufgabe, die Pflege zur Zufriedenheit der in ihr arbeitenden Menschen, aber auch der pflegenden Angehörigen und der zu Pflegenden zu organisieren“, betonte Christine Zips abschließend.

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