Es gibt keine stichhaltigen Gründe, die für eine Legalisierung von Cannabis sprechen. Die neue Ampel-Koalition will hier ein Symbolprojekt vorantreiben, mit dem sie wissentlich die Gesundheit der Jugend und damit ganzer Generationen aufs Spiel setzt. Dabei verdient das Thema nach Auffassung der Frauen Union mehr Ernsthaftigkeit, als nur an diejenigen zu denken, die sich legal einen Joint genehmigen wollen.

Die Landesvorsitzende der Frauen Union (FU) Hessen, Diana Stolz, spricht sich gegen die geplante Freigabe von Cannabis aus: „Die Gesundheitsrisiken des Cannabis-Konsums liegen auf der Hand. Eine Legalisierung setzt das völlig falsche Zeichen.“ Während der Einsatz von Cannabis im medizinischen Bereich als verschreibungspflichtiges Produkt nahezu ausnahmslos positiv bewertet werde, zeige der Konsum im Freizeitbereich häufig erschreckende Auswirkungen.

„Über den medizinischen Gebrauch heraus Cannabis als Droge zu legalisieren, würde die seit Jahren erfolgreiche präventive Gesundheitsfürsorge, die in Deutschland zum Beispiel bei Tabak und Alkohol sowie auch zuckerhaltigen Lebensmitteln betrieben wird, vereiteln. Vor allem die gesundheitliche Aufklärung sozial gefährdeter Jugendlicher und Heranwachsender zu Gefahren durch übermäßigem Cannabis-Konsum werden erschwert“, bewertet Selda Demirel-Kocar, Beisitzerin im Landesvorstand der FU Hessen, das politische Vorhaben kritisch.

Die langfristigen Folgen von regelmäßigem Cannabis-Konsum werden unterschätzt. Viele Menschen leiden an körperlichen Beeinträchtigungen, der Abnahme an kognitiver Leistungsfähigkeit und an psychischen Störungen, wie z. B. Psychosen, Depressionen oder Angststörungen. Handelte es sich bei den ersten Joints in den 68ern noch um niedrig dosierte Rauschmittel, sind die aktuellen Cannabisprodukte um ein Vielfaches stärker.

„Es ist geplant, Cannabis nur in lizenzierten Betrieben und nur an Erwachsene zu verkaufen. Doch wir dürfen die Augen nicht vor der Realität verschließen“, betont Birgit von Bargen, Leiterin der Arbeitsgruppe Kinderschutz der FU Hessen. „Auch Kinder und Jugendliche werden auf diese Weise noch bequemer an Drogen geraten können, wenn ihre Eltern Cannabis im Haus aufbewahren.

Wie leicht ist die Versuchung, morgens vor der Mathearbeit schnell noch einen Joint zu rauchen, der beruhigt, oder die Geschichtsstunde entspannt durchzustehen, wenn man den langweiligen Lehrer berauscht besser ertragen kann?“ Anders als beim Alkohol-Vollrausch benötiget man für diesen Drogenrausch lediglich wenige Minuten. Auch sei das Risiko, dass Kinder einen Cannabisrausch mit z.B. Herzrasen bis zum Kreislaufkollaps erleiden, sehr viel höher.

„Wir sehen immer häufiger in der Kinderklinikambulanz, dass Cannabis die Einstiegsdroge für Jugendliche ist“, berichtet Frau Dr. Cornelia Lietz, Fachärztin und Leiterin der Arbeitsgruppe Gesundheit der FU Hessen. „Cannabis hat eine sogenannte Schrittmacherfunktion, das bedeutet, dass die Mehrheit der Opiatabhängigen bei ihrem Einstieg in den Konsum illegaler Drogen mit Cannabis begonnen hat. Biochemische Mechanismen führen bei Cannabis dazu, dass Konsumierende die Dosis steigern müssen und Cannabis bald nicht mehr ausreicht, um die Lust auf mehr zu stillen. Also versucht man härtere Drogen zu konsumieren.“

Um sich den neuen Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit stellen zu können, die sich aus der Legalisierung von Cannabis ergeben, sind Debatten mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Interessengruppen und Entscheidungstragenden in der Politik unumgänglich. Die Frauen Union Hessen fordert, dass Erfahrungen, die andere Länder mit der Legalisierung von Cannabis gemacht haben, dabei eine große Rolle spielen.

„In der öffentlichen Diskussion liegen die Schwerpunkte nur auf den Fragen rund um die Gesundheit und dem wirtschaftlichen Interesse. Rechtliche Aspekte werden dabei übersehen“, warnt zudem Alexandra Weirich, Polizeibeamtin und ebenfalls Beisitzerin im Landesvorstand der FU Hessen. „Die Annahme durch die Legalisierung und die Qualitätskontrollen den Schwarzmarkt zu bekämpfen, ist schlichtweg falsch", betont Weirich. "Schon heute ist zu beobachten, dass die Zahl der Übergriffe auf Polizeibeamte und Polizeibeamtinnen stetig steigt. Diese Taten stehen oft im Zusammenhang mit Alkohol-, vor allem aber Drogenkonsum“, berichtet Weirich. Insbesondere im Straßenverkehr befürchtet die Polizeibeamtin fatale Folgen: „Drogenkonsum ist eine der drei Hauptursachen, die zu Verkehrsunfällen führen. Im Gegensatz zu Alkohol benötigt der Körper eine viel längere Zeit für den Abbau von Cannabis. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass es auch nach Abklingen der Wirkung noch zu Beeinträchtigungen kommt, die zu Gefährdungen im Straßenverkehr führen können.“

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