Die Frauen Union Hessen (FU) fordert die aktuelle Schließung der Bordelle aufgrund der Corona-Pandemie aufrecht zu erhalten und begrüßt die aktuelle Initiative verschiedener Abgeordneter aus den Regierungsfraktionen zu diesem Punkt. „Wir haben nun die historische Chance die beschämende Ausnutzung von oft ausländischen Frauen und den Menschenhandel durch eine endgültige Schließung der Bordelle und die Einführung des Nordischen Modells auch in Deutschland zu beenden.“, sagt Diana Stolz, Landesvorsitzende der FU Hessen.
Das „Nordische Modell“ hat seit seiner Einführung in Schweden nachhaltige Veränderungen bewirkt. Dieses Modell stellt insbesondere den Sexkauf von Freiern unter Strafe, während die Prostituierte strafffrei bleibt: „Seit Einführung des Sexkaufverbotes ist die Straßenprostitution in Schweden um die Hälfte zurückgegangen, denn das Gesetz hat abschreckende Wirkung auf Käufer sexueller Dienstleistungen.“, betont Astrid Heller, Mitgliederbeauftragte und Vorsitzende der AG ‚Bekämpfung von Gewalt an Frauen‘ der FU Hessen. Das Verbot wirke somit als Barriere für Menschenhändler und Zuhälter, daher gibt es in Schweden weniger Menschenhandel als in vergleichbaren Ländern. Neben Schweden haben das Nordische Modell ebenso Frankreich, Norwegen, Island, Nordirland, Irland, Kanada und Israel eingeführt

„Selbstbestimmte Prostitution stellt leider die Ausnahme dar. Die überwiegende Mehrheit der Frauen in der Prostitution schaffen aus Zwang und Armut heraus an.“, unterstreicht Katja Leikert, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU-/CSU-Fraktion im Bundestag und Mitglied im Landesvorstand der Frauen Union. Wichtig sei vor allem auch die Fokussierung auf die Frauen, die in der Prostitution arbeiten, denn diese sollen ja gerade nicht bestraft oder stigmatisiert werden: „Flankierende Maßnahmen zur aktuellen und dauerhaften Schließung der Bordelle sind ebenso Teil des ‚Nordischen Modells‘ und müssen daher nun so schnell wie möglich umgesetzt werden.“ Dazu gehören beispielsweise Ausstiegsprogramme, Unterbringungsmöglichkeiten, die Gewährung von Tage-Geld / Not-Geld und anderen finanziellen Hilfen oder auch Fahrkarten für die Heimreise, falls erwünscht. „Aussteigerinnen steckten in einer prekären Situation, aus der wir ihnen schnellstmöglich raushelfen müssen“, so Leikert.
Schätzungen zufolge gibt es an die 300.000 Prostituierte in Deutschland, 90% arbeiten unter Zwang. 80-90% der Prostituierten kommen mittlerweile aus dem süd-osteuropäischen Raum. Sie werden unter falschen Versprechungen angelockt und arbeiten hier unter menschenunwürdigen und frauenfeindlichen Bedingungen. Sie haben keine Krankenversicherung und keinen festen Wohnraum. Während in anderen Ländern Europas Prostitution eine Verletzung der Menschenwürde ist, wird es in Deutschland als sexuelle Dienstleistung, als Beruf gesehen. Nicht nur Corona sollte uns auffordern, über dieses System in Deutschland nachzudenken.
Kernforderung der FU Hessen ist daher die zeitige Einführung des Nordischen Modells verbunden mit der Entkriminalisierung der Prostituierten und der Bestrafung der Sexkäufer sowie Betreiber. Die Frauen Union hat sich in der Vergangenheit bereits immer wieder für die Bekämpfung von Zwangsprostitution, für eine selbstbestimmte Sexualität und gegen Gewalt an Frauen eingesetzt. „Prostitution ist oftmals geschlechtsspezifische Gewalt, in die sich viele Frauen nur aus einer Notlage heraus oder aufgrund falscher Versprechungen begeben. Diese Praxis gehört abgeschafft.“, so Stolz abschließend.


Dr. Katja Leikert MdB

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