„Die häusliche Gewalt nimmt während der Corona-Pandemie vielerorts zu. Unter den Auswirkungen leiden vor allem die Frauen. Geschlechtsspezifische Gewalt kann jede Frau treffen – unabhängig von Alter, sozialem oder kulturellem Hintergrund“, erklärte die Landesvorsitzende der Frauen Union (FU) Hessen Diana Stolz.

Mit dem Hissen der Fahne „Frei leben ohne Gewalt“ setzt die Vereinigung ein öffentliches Zeichen gegen Gewalt an Frauen: Am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, werden bundesweit diese blauen Fahnen aufgehängt. Die FU Hessen beteiligt sich gemeinsam mit der CDU Hessen an der Aktion und hisst daher die Fahne vor der Landesgeschäftsstelle in der Frankfurter Straße in Wiesbaden.

Die Vereinten Nationen bezeichneten kürzlich den globalen Anstieg häuslicher Gewalt gar als „Schattenpandemie“. Auf Grund von Kontakteinschränkungen während der Corona-Pandemie nehmen Gewalttaten zu Hause und in Beziehungen zu. Während noch keine validen Zahlen vorliegen, ist eine hohe Dunkelziffer zu befürchten, da weniger soziale Kontakte das Anzeigeverhalten beeinflussen.

„Gewalt an Frauen geht uns alle an. Sie findet in unterschiedlichen Formen alltäglich statt. Mehr als jede dritte Frau wird im Laufe ihres Lebens Opfer von Gewalt. Nur gemeinsam und organisiert können wir für eine Gesellschaft kämpfen, in der Frauen frei, gleichberechtigt und respektiert leben können“, sagt der Generalsekretär der CDU Hessen Manfred Pentz.

Erheblich verschärft wurde die Situation für Frauen während der Corona-Krise auch in anderen Lebensbereichen; „Homeoffice“ führte insbesondere Frauen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, oft darüber hinaus. Kurzarbeit und niedrige Löhne, von denen Frauen kaum eigenständig leben können, steigende Mieten halten Frauen in Abhängigkeit und werden als Unterdrückung empfunden.

„Wir setzen uns auf allen Ebenen für Frauenrechte, für die Gleichstellung, für die Selbstbestimmung von Frauen und für den Schutz von Frauen vor Gewalt ein. Wir müssen vor allem den Betroffenen Mut machen, sich zu wehren und Hilfe zu suchen“, so Diana Stolz.
Die Frauen Union verweist auf die Istanbul-Konvention des Europarates, die zahlreiche Staaten - darunter Deutschland - unterzeichnet haben. Das Übereinkommen hat das Ziel, Frauen vor allen Formen der Gewalt zu schützen und um Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu verhindern, strafrechtlich zu verfolgen und zu beenden. In Deutschland trat im Jahr 2002 das Gewaltschutzgesetz in Kraft, 2006 folgte das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das unter anderem Abwehrrechte gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz regelt. Seit 2007 gilt Stalking als Straftatbestand, seit 2011 ist Zwangsheirat unter Strafe gestellt, seit 2015 das Verstümmeln weiblicher Genitalien. Einen Paradigmenwechsel stellte die „Nein-heißt-Nein-Lösung“ im Strafrecht dar, die die sexuelle Selbstbestimmung bestärkt.

Die Frauen Union fordert, als Gesellschaft die Augen bei Gewalt offen zu halten und für das Thema zu sensibilisieren. Die Gewalt gegen Frauen muss nachhaltig verringert werden, dazu ist vor allem Prävention erforderlich.

Wer von Gewalt betroffen ist, oder jemanden kennt, der von Gewalt betroffen ist, kann sich kostenfrei und anonym an das Hilfetelefon unter 08000 116 016 wenden.

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