Zur Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine erklären die Frauen Union (FU) Hessen und die Arbeitsgemeinschaft Christlich-Demokratischer Lehrerinnen und Lehrer (ACDL):

Auf die Bildungssituation der geflüchteten Frauen und Kinder muss sich jetzt der Blick richten, fordern FU und ACDL Hessen. Für die Menschen aus der Ukraine wurden der Kindergarten- und Schulbesuch, Studium oder Berufsausbildung von heute auf morgen unterbrochen. „Es ist unsere humanitäre Verpflichtung, diese Familien, vor allem die Kinder und Jugendlichen, mit ihren Ängsten nicht alleine zu lassen“ sagte Diana Stolz, Landesvorsitzende der FU Hessen. Kerstin Hagenkötter, Landesvorsitzende der ACDL Hessen, ergänzt: „In Hessen sind wir mit unserem für alle Alters- und Jahrgangsstufen bewährten schulischen Gesamtsprachförderkonzept auf die Beschulung der Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine gut aufgestellt und gerüstet.“
Tief betroffen vom Krieg Russlands gegen die Ukraine loben beide Vereinigungen das bisher sehr große Engagement der Gesellschaft und betonen die Notwendigkeit, den Ankommenden emotionale Sicherheit und das Gefühl, bei uns willkommen zu sein, zu geben. Auch wenn ein Aufenthalt nicht auf Dauer sein sollte, bedarf es darüber hinaus deutscher Sprachkenntnisse, um sich zurechtzufinden und neue Freunde finden zu können.
Die geflohenen Frauen sind in der überwältigenden Mehrheit nur mit ihren Kindern nach Deutschland gekommen.
„Die hessischen Schulen können auf bewährte Strukturen mit Vorlaufkursen für schulpflichtig werdende Kinder sowie Intensivklassen und -kurse an Grundschulen und weiterführenden Schulen, einschließlich der beruflichen Schulen, zurückgreifen“, sieht Hagenkötter Hessen im Bereich der Schulen gut aufgestellt. Auch hätten insbesondere im Vergleich zu vor 2015 viele Lehrkräfte eine Basisqualifikation für den Zweitsprachenerwerb oder die Fakultas in Deutsch als Zweitsprache erworben.
Dennoch stellten Erweiterungen des bisherigen Angebots die Schulen vor besondere Herausforderungen – bei der personellen aber auch der räumlichen Ausstattung. Hinzu komme eine große Ungewissheit, wie viele Kinder und Jugendliche in welchem Alter, welcher Schulbildung und vor allem für welchen Zeitraum zu uns nach Hessen an welche Schulen kommen. Für die Bedürfnisse dieser Kinder und Jugendlichen muss nach flexiblen Lösungen gesucht werden, wie FU und ACDL unterstreichen.

Neben Informationen über die Möglichkeiten der Beschulung in Hessen spiele aber auch die seitens der Ukraine erbetene Möglichkeit der Beschulung der ukrainischen Schülerinnen und Schüler in Hessen durch den in der Heimat angebotenen Online-Unterricht eine große Rolle. Gerade Jugendlichen, die kurz vor einem Abschluss in der Ukraine standen, könne so das Erlangen des jeweiligen Abschlusses ermöglicht werden. „Uns ist es ein großes Anliegen, die geflohenen Kinder und Jugendlichen nicht gänzlich von ihrem bisherigen eigenen Bildungsprogramm abzukoppeln“ sagt dazu Hagenkötter (ACDL).
Im Bereich der frühkindlichen Betreuung stelle sich die Situation jedoch komplizierter dar. Daher sei das Land gefordert, die aufnehmenden Städte und Gemeinden zu unterstützen. Möglichkeiten vor Ort müssten individuell gefunden und genutzt werden.
Auf den Bedarf an Betreuung für die Kinder im Vorschulalter gerichtet erklärt Diana Stolz (FU): „Schon jetzt herrscht ein Mangel an Plätzen in Kitas und diese sind, nicht nur wegen des großen Fachkräftemangels im Erzieherbereich, nicht so schnell ausbaubar. Auch deshalb müssen wir hier andere Lösungen finden, die gleichzeitig bei Bedarf auch zum Austausch und Sprachunterstützung der Mütter führen, wie zum Beispiel Spiel- und Lernkreise für Kindergartenkinder, bei denen auch die Qualifikationen ukrainischer Frauen genutzt werden können."

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